Gestern hat mir Marion (Ewalds Oma) die Zeitschrift Ökotest zum Thema Kleinkinder vorbeigebracht, die sie bei Dieter Hanke (unser Lottomann) gesehen hatte. Ich meinte erst, ob das nicht ein bisschen früh sei, aber sei hatte Recht, dass auch schon für uns viel Interessantes dabei ist.
Mittlerweile hat man doch schon einiges über Schwangerschaft und Geburt gelesen. Und geade als ich den Artikel über die pränatale Diagnostik angefing und dort beschieben wurde, wie man das erste Mal von seiner Schwangerschaft durch Ultraschall überzeugt wird, da kam die Erinnerung zurück. Ich kann dieses Gefühl kaum beschreiben, aber um so wichtiger ist es mir, es hier nun festzuhalten.
Meine Regel war drei Wochen überfällig. Ich dachte zunächst, dass es sicherlich am erhöhten Prolaktin liegt, auch wenn es einige andere Anzeichen gab, die mich irritierten. Ich trank beispielsweise keinen Kaffee mehr oder nur sehr wenig, obwohl ich zuvor eine leidenschaftliche Kaffeetrinkerin war, war ständig müde (am Wochenende habe ich nur geschlafen) und hatte noch mehr Appetit als sowieso schon, noch dazu auf Salziges und Deftiges. Dazu kam, dass der Versuch mit dem Weight Watchers System ein paar Kilo abzunehmen kläglich scheiterte und ich plötzlich auch noch zwei Kilo mehr wog und meine Hosen überhaupt nicht mehr passten.
Schließlich machte ich dann, nachdem ich einige Male an der Apotheke vorbeiging ohne den Mut zu haben, mir einen Test zu holen, doch einen Schwangeschaftstest. Meine Kollegin Birgitt überredete mich ihn zu holen bzw. tat so als sei er für sie. Ich hätte nie gedacht, dass mir das peinlich sein könnte, aber aus irgendeinem Grund war es so. Am Wochenende machte ich den Test und er war tatsächlich positiv. Aber auch dies überzeugte uns nicht und Alex meinte auch, vielleicht funktioniert so ein Test ja bei mir gar nicht. Letzlich musste also doch der 5 Tage später vereinbarte Termin beim Frauenarzt Aufschluss geben.
Es war Donnerstagmorgen, der 09. März. Ich weiß noch wie ich selbst zu mir sagte, entweder bin ich doch schwanger oder ich muss dringend abnehmen, so geht das mit meinem Gewicht nicht weiter. Mein Frauenarzt winkte erst ab und meinte auch gleich, dass wir erst mal schauen sollten. Etwa einen Monat zuvor sprachen wir noch über das Thema Schwangerschaft, dass ich ja mit 35 schon recht alt sei, aber noch im Beamtenverhältnis auf Probe sei und mein Freund noch im Referendariat, allerdings auch nicht wüsste, ob es wegen des Prolaktinspiegels dann überhaupt klappen würde, wenn wir uns dann schließlich dafür entscheiden würden. Er sagte damals, dass ich so alt nun auch noch nicht wäre und Frauen immer dieses latente Gefühl hätten, schwanger werden zu müssen, weil die Uhr sonst abgelaufen sei, aber es heute eigentlich nicht ungewöhnlich sei, auch später noch Kinder zu bekommen. Wegen meines Hormonspiegels könne ich ja einmal schauen, ob ich überhaupt einen Eisprung hätte. An drei Tagen hintereinander müsse die Temperatur um ein halbes Grad erhöht sein. Ich fand dies damals sehr beruhigend, zumal ich früher mal einen Gynäkologen hatte, der mich seit meinem 25. Lebensjahr fragte, wann ich denn endlich schwanger werden würde.
Aber zurück zu dem Termin am 9. März. Wie gesagt, mein Frauenarzt wiegelte erst ab bis ich von dem gemachten Schwangerschaftstest erzählte. Da fing er an zu stutzen und meinte, dass diese Tests sehr zuverlässig seien und auch auf HCG überprüfen würden, ein völlig anders Hormon. Schließlich ging es zum Ultraschall. Und jetzt komme ich zu dem, was ich eigentlich die ganze Zeit schon sagen wollte. Es war überwältigend und unreal zugleich, als Herr Carsten Buckermann sagte: “Sie sind aber ziemlich schwanger.” Man konnte das Herz schon richtig schlagen sehen. Ich war in der siebten Schwangeschaftswoche und Ewald, der seit gestern übrigens Pepe heißt, war ca. 5 Wochen alt. Dieser kleine Zellhaufen mit diesem so großen schlagenden Herz war ein Anblick, den ich nie vergessen möchte. Ich weiß, dass ich die ganze Zeit irgendwie lachen musste. Obwohl es sicherlich nicht der günstigste Augenblick war schwanger zu werden, habe ich mich total gefreut. Es war so schön und unreal zugleich, ich schwanger. Mein Arzt sagte dann noch, der richtige Zeitpunkt sei eigentlich nie und bei ihm wäre es auch so gewesen, als er seinen Sohn bekommen hätte, aber es sei doch schön, wenn man ohne den Druck zu haben, jetzt muss es klappen, plötzlich schwanger ist. Und jetzt freue ich mich einfach nur. Ich will diese Erinnerung festhalten, diese Erinnerung als ich Ewald das erste mal gesehen habe und diese Gefühle, die man noch nicht richtig einordnen kann, aber die einen mit einem Lächeln durch die Straßen gehen lassen und mich immer noch glücklich machen. Alex hat sich natürlich auch riesig gefreut und auch das ist toll, wenn man einen Partner an der Seite hat, der sich mindestens genauso doll freut, wenn nicht sogar noch mehr. Am Anfang sollten wir von Ewald nichts sagen wegen des Fehlgeburtenrisikos, aber das haben wir natürlich nicht geschafft. Und jetzt ist der oder die Kleine schon in der 15. Woche. Ich kann es kaum erwarten bis ich die ersten Tritte spüre und erfahre, was es wird und hoffe, dass weiter alles so gut verläuft. Und vielleicht hilft einem ja die Erinnerung an diesen ersten Moment, als ich ihn oder sie gesehen habe, wenn man mal traurig ist. Ich weiß jetzt, dass es viele andere Dinge, über die man sich im Leben ärgert, nicht so wichtig sind, wie dieser kleine Zellhaufen mit seinem großen starken Herz.