Es ist so schrecklich mit anzusehen, wie sich Pepe seit der Krankheit verändert bzw. verändert hat und immer noch mit Unwohlsein und Schmerzen qüalt. Wir sind alle am Ende hier. Ich habe das Gefühl, dass die ganze Freude aus ihm entwichen ist und er nur noch Wut und Schmerz in sich hat. Ab und zu lässt er sich zu einem Schmunzeln oder Scherz hinreißen oder er wirkt wieder wie betrunken, wie gestern abend, als er fast schon irre anfing zu lachen, aber meist will er einfach nur liegen und ist unglücklich und sehr unausgeglichen. Momentan liegt er jedenfalls im Bett und schreit und weint und sagt, er hätte so dolle Kopfschmerzen und wir wissen mittlerweile nicht mehr, ob es wirklich so ist oder er uns nur auf Trab hält. Er kommandiert uns sehr viel herum und schreit bei dem kleinsten Anlass. Weder Alex noch ich stehen das noch lange durch. Heute Mittag musste er sich auch wieder ordentlich übergeben und danach schien es ihm eigentlich besser zu gehen. Er hat mit Maya sogar lange gespielt und Blödsinn gemacht, aber vielleicht war das auch schon wieder alles zu viel. Ich habe das Gefühl, dass sich da wirklich irgendwas verändert hat im Kopf und sein Wesen dadurch anders geworden ist. Gestern wollte er mit Maya, die ja nun seit Freitag in "seinen" und nun auch ihren Kindergarten geht unbedingt mitkommen. Die Kinder haben sich gefreut, ihn wieder zu sehen und sind auf ihn zugestürmt. Statt sich zu freuen, war ihm das schon wieder alles viel zu viel und er ist total ausgetickt, hat die Kinder angeschrien und gebrüllt, dass ich mich wirklich erschrocken habe und die anderen Kinder natürlich auch, weil sie das überhaupt nicht verstehen konnten. Das war so schrecklich zu sehen, wie unglücklich und agressiv er plötzlich war und dabei wollte er von sich aus mitkommen mit der Option jederzeit wieder gehen zu können. Aber das hat mir gezeigt, dass er noch lange nicht so weit ist und ich habe auch nur noch geheult, dass sogar seine Erzieherin mitheulen musste. Ich bin dann mit Pepe wieder nach Hause und Maya hat am Zaun gewunken. Hatte erst befürchtet, dass sie dann auch mitkommen will, aber im Gegensatz zu ihrem Bruder ist sie eben sehr gerne im Kindergarten und das, obwohl sie erst den dritten Tag da war. Sie nimmt Kontakt zu allen Kindern und Erzieherinnen auf und scheint sich wirklich wohl zu fühlen. Sie erzählt viel, was sie erlebt und gemacht hat, etwas was Pepe nie gemacht hat und bis heute nicht macht. Er macht ganz viel mit sich selbst aus und kann oft nicht ausdrücken, was ihn eigentlich beängstigt oder ärgert.
Am Montag waren wir mit ihm noch bei einer Ärztin, die zwar manchmal etwas wunderlich ist, aber meiner Schwiegermutter und mir schon geholfen hat, wenn die Schulmedizin versagt hat oder nicht weiter wusste. Jetzt bekommt er für teures Geld noch einen Menge homöopathische Apullen und Mittelchen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es anschlägt. Sie sollen in erster Linie wohl gegen die Entzündung wirken, die die Ärztin als nach wie vor vorhanden diagnostiziert hat.
Außerdem hat sie ihm eine Psychotherapie empfohlen, da sie der Meinung ist, dass Pepe den Tod meines Vaters nicht verarbeitet hat und auch der Aufenthalt im Krankenhaus traumatisch für ihn war. Und tatsächlich ruft Opa Ali in letzter Zeit häufig mit dem Spieltelefon hier an. Auch wenn sein Kinderarzt dies nicht als dringlich sieht und dadurch nicht die Ursache dieser unheimlichen Krankheit gefunden wird, hoffe ich, dass es vielleicht hilft, um einen besseren Zugang zu ihm zu finden, auch wenn ich nicht scharf auf weitere Termine bin. Bin gespannt, ob wir überhaupt so schnell einen Platz bekommen. Vielleicht war der Kindergartenwechsel ohne seine Freunde aus der Krabbelgruppe auch einfach zu viel für ihn und dabei hatte ich wirklich das Gefühl, dass er mittlerweile dort angekommen war.
Am Freitag müssen wir nun noch mal in die Tagesklinik auf der Bult, da sie dort auch besorgt sind, dass das Erbrechen und der Kopfschmerz immer noch nicht verschwunden sind. Um 8 Uhr müssen wir da sein (ist eigentlich gar nicht Pepes Zeit) und bis nachmittags soll es dauern. Ich hoffe nur, dass sie uns wieder gehen lassen nach all den Untersuchungen und ihn nicht doch noch dabehalten wollen.
Eigentlich muss ich morgen wieder arbeiten, ich weiß gar nicht, wie ich das auf die Reihe kriegen soll und hoffe, dass ich zumindest für den Freitag Urlaub bekomme, dass Alex das nicht alles alleine durchstehen muss am Freitag im Krankenhaus. Außerdem muss sich ja auch jemand um Maya kümmern, zumindest bringen und abholen. Ich bin wirklich froh, dass Maya sich so schnell eingewöhnt hat und hoffe, dass das auch so bleibt. Die extra für Pepe von den Kindern gebackenen Muffins hat er heute auch nicht haben wollen.
Bin wirklich gespannt, ob sie noch irgendwas finden und rechne aber nicht wirklich damit. Weiß auch nicht, ob ich mir das wünschen sollte, andererseits könnten sie vielleicht dann gezielt gegen die Ursache behandeln, wenn es eine gäbe. Die einmalige Behandlung mit den Immunglobulinen hat übrigens schlappe 1.350,- € gekostet. Hammer, oder? Heute kam nämlich die Rechnung aus dem Krankenhaus. Macht fast ein Drittel der Gesamtkosten des 11-tägigen Aufenthaltes aus, falls da schon alles drin war.
Ich wünsche mir so sehr, dass es Pepe bald wieder richtig gut geht und wir unseren "alten" Pepe zurück haben.


